Das Jahr 1920

Historische Ereignisse, Geburten und Todesfälle im Jahresverlauf.

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Highlights

01. April Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Errichtung der Deutschen Reichsbahn werden gemäß der Weimarer Verfassung die bisherigen Staatsbahnen der einzelnen Länder der Kontrolle des Deutschen Reichs unterworfen.
02. April Die Reichswehr der Deutschen marschierte in das Ruhrgebiet ein, um den Aufstand der als kommunistisch bekannten Roten Ruhrarmee zu unterdrücken.
15. April In South Braintree, Massachusetts, werden zwei Arbeitnehmer der Slater & Morrill Shoe Company von zwei bewaffneten Männern mit Handfeuerwaffen erschossen. Bei diesem Überfall gelangen den Tätern 15.776,51 Dollar an Lohnzahlungen in die Hände. Kurz darauf erfolgt die Verhaftung von Ferdinando „Nicola" Sacco und Bartolomeo Vanzetti im Zusammenhang mit diesem Verbrechen.
20. April König Albert eröffnet in der belgischen Stadt Antwerpen die VII. Olympischen Spiele. Der Sportler Victor Boin, der sowohl Wasserball als auch Degenfechten ausübt, leistet als erster Athlet den von Pierre de Coubertin verfassten olympischen Eid.
23. April In Ankara bildete sich die Große Nationalversammlung der Türkei, welche Mustafa Kemal Atatürk während des Türkischen Befreiungskrieges ins Leben rief und die im Dezember des vorangegangenen Jahres durch Wahlen ihre Legitimation erhielt. Damit setzte die Umwandlung hin zu einem modernen türkischen Staat ein.
26. April Die Diskussion zwischen Shapley und Curtis in Washington führt zu einem veränderten Verständnis der Galaxiennatur und der Ausdehnung des Universums in der astronomischen Fachwelt.
27. April Das Parlament des Freistaats Preußen verabschiedet das Gesetz über Groß-Berlin zur Umgestaltung der Stadtgemeinde Berlin: Durch die Eingliederung der sieben Stadtgemeinden Charlottenburg, Köpenick, Lichtenberg, Neukölln, Schöneberg, Spandau und Wilmersdorf sowie 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken erhöht sich die Bevölkerungszahl Berlins auf das Doppelte mit insgesamt 3,8 Millionen Einwohnern; das Stadtgebiet erweitert sich auf das Dreizehnfache seiner bisherigen Größe und umfasst fortan 878 km².
28. April Im Jahr 1920 drang die sowjetische Rote Armee in Aserbaidschan ein und setzte damit der Unabhängigkeit des noch jungen Staates ein Ende. Durch die Errichtung einer Besatzungsherrschaft in Baku wurde die Herrschaft der Sowjets über das Land gefestigt.
28. April Die Staatsoper Dresden präsentiert die Uraufführung der komischen Oper "Schirin und Gertraude", deren Musik von Paul Graener stammt und deren Libretto von Ernst Hardt verfasst wurde.

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03. Januar Die Uraufführung des deutschen Stummfilms Sklaven fremden Willens, in welchem Lee Parry und Bela Lugosi die Hauptrollen verkörpern, findet in der Berliner Schauburg statt.
10. Januar Die in Versailles ausgefertigte Friedensvereinbarung wird rechtskräftig. Mit ihrem Inkrafttreten entsteht zugleich der Völkerbund, der sich auf das 14-Punkte-Programm von Woodrow Wilson stützt und im Hinblick auf die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges die Aufgabe verfolgt, einen stabilen Frieden zu bewahren.
12. Januar Der französische Passagierdampfer Afrique geriet vor der französischen Küste in einen Sturm, bei dem die Generatoren versagten. Das Schiff wurde daraufhin manövrierunfähig gegen ein Riff getrieben, wodurch es Leck bekam und schließlich sank. Von insgesamt 609 Personen an Bord, bestehend aus Passagieren und Besatzung, konnten sich lediglich 34 retten. Dieses Unglück zählt zu den schwersten Katastrophen in der Geschichte der französischen Dampfschifffahrt.
13. Januar Anlässlich der bevorsteehenden Verabschiedung des Betriebsrätegesetzes mobilisieren die USPD und die KPD zu einer Protestkundgebung am Berliner Reichstagsgebäude. Die Sicherheitskräfte setzen Schusswaffen gegen die versammelte Menge ein. Das Ereignis fordert 42 Todesopfer unter den Demonstranten und zieht 105 Verletzte nach sich.
15. Januar Das Unternehmen Homophon, tätig im Bereich der Schallplattenproduktion, brachte die erste Jazzmusicaufnahme auf den deutschen Markt. Die Aufnahme des Stücks Tiger Rag, aufgeführt durch die Original Excentric Band, weicht in ihrer Interpretation deutlich von typischen Jazzmerkmalen ab.
16. Januar Der 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, welcher ein Jahr zuvor von US-Präsident Woodrow Wilson ratifiziert worden war und die Produktion, den Handel sowie den Transport von alkoholischen Getränken untersagt, wird wirksam. Hiermit startet die Prohibitionszeit in den Vereinigten Staaten.
21. Januar Domingos Leite Pereira übernahm zum wiederholten Male das Amt des Ministerpräsidenten von Portugal.
21. Januar Bei der Oper Frankfurt am Main erfolgte am 13. Januar 1920 die Premiere der Oper Der Schatzgräber, komponiert von Franz Schreker.
22. Januar Die niederländische Regierung lehnte die Forderung der siegreichen Alliierten ab, den früheren deutschen Kaiser Wilhelm II. auszuliefern.
28. Januar Der Kongress von Lushnja, eine nationale Versammlung zur Sicherung der Unabhängigkeit des von Besatzung bedrohten und aufgeteilten Albaniens, nimmt seinen Anfang.
01. Februar Die Royal Canadian Mounted Police wurde gegründet, indem man die North West Mounted Police (NWMP) mit der Dominion Police fusionierte. Diese neue Institution fungiert als bundesweit tätige Polizeibehörde für das gesamte kanadische Staatsgebiet.
02. Februar Im Frieden von Dorpat erfolgte durch Russland die Anerkennung der estnischen Unabhängigkeit, nachdem der estnische Freiheitskrieg knapp zwei Jahre andauerte.
04. Februar Gemäß einer Bestimmung des Vertrags von Versailles räumen deutsche Verwaltungsstellen das Hultschiner Ländchen. Das Gebiet wird der Tschechoslowakei zugesprochen, obwohl laut einer Befragung die große Mehrheit der Bevölkerung beim Deutschen Reich verbleiben möchte.
08. Februar Gemäß den Bestimmungen des Versailler Friedensvertrags wurde Danzig zum Status einer Freien Stadt erklärt und unterstand nach dem Rückzug der deutschen Streitkräfte der Aufsicht des Völkerbundes.
09. Februar Der Spitzbergenvertrag wird von mehreren Staaten im Pariser Vorort Sèvres unterzeichnet und überträgt Norwegen die Souveränität über Spitzbergen (norwegisch: Svalbard). Gleichzeitig räumt das Abkommen allen Unterzeichnerstaaten das Recht ein, auf der Inselgruppe wirtschaftlich aktiv zu sein, die als entmilitarisierte Zone definiert wird.
10. Februar Die Volksentscheidung in Schleswig führte dazu, dass sich die Bewohner Nordschleswigs mehrheitlich für einen Zusammenschluss mit Dänemark aussprachen. Nachdem eine darauffolgende Abstimmung der mittleren Landesregion ein Verbleiben bei Deutschland bescherte, kam es zur Teilung Schleswigs (auch als Sønderjylland bekannt) in zwei Teile: Nordschleswig, welches zwischen 1970 und 2007 das Sønderjyllands Amt bildete, und Südschleswig. Die Clausen-Linie fungiert seitdem als Grenzlinie zwischen Deutschland und Dänemark.
12. Februar Die Operette Der letzte Walzer von Oscar Straus, deren Libretto von Julius Brammer und Alfred Grünwald stammt, erlebte ihre Erstaufführung im Berliner Theater zu Berlin. Das Werk avancierte insbesondere aufgrund der herausragenden schauspielerischen Leistung der Hauptrolle, verkörpert durch Fritzi Massary, zu einem großen Erfolg.
23. Februar Die Uraufführung der Oper "Der Fremde" von Hugo Kaun fand an der Dresdner Staatsoper statt.
24. Februar Die Deutsche Arbeiterpartei wurde umbenannt und bildete damit den Ursprung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). An demselben Tag präsentierte Adolf Hitler im Münchner Hofbräuhaus das 25-Punkte-Programm, das von ihm zusammen mit Anton Drexler und Gottfried Feder erarbeitet worden war. Dieses Programm enthielt unter anderem Forderungen zur Errichtung eines totalitären Staatssystems.
25. Februar Die belgische Erdölgesellschaft Petrofina wurde durch Investoren aus Antwerpen ins Leben gerufen.
27. Februar Major Rudolph William Schroeder gelang es als erstes Mal, mit einem Luftfahrzeug eine Flughöhe jenseits der 10.000-Meter-Marke zu überschreiten.
27. Februar Robert Wiene inszenierte mit "Das Cabinet des Dr. Caligari" einen Expressionismus-Film, dessen Drehbuch Hans Janowitz und Carl Mayer verfassten. Mit Werner Krauß und Lil Dagover in den Hauptrollen kam das Werk in die Kinos und markierte einen Höhepunkt des expressionistischen Filmschaffens. Der Stummfilm thematisiert die Brutalität und den Wahnsinn von Autoritäten und wird als bedeutende Wegmarke der Filmgeschichte betrachtet.
29. Februar Die Auflösung der Marinebrigade Ehrhardt sowie des Freikorps Loewenfeld durch Reichswehrminister Gustav Noske führte zur Entstehung des Kapp-Putsches, welcher sich gegen die Weimarer Republik richtete.
29. Februar Die Nationalversammlung der Tschechoslowakei verabschiedete das Grundgesetz der Tschechoslowakischen Republik.
01. März Das ungarische Parlament bestellt Miklós Horthy in seiner Funktion als Reichsverweser zum vorläufigen Oberhaupt des Staates.
01. März Der nördlichste schwedische Nationalpark, Vadvetjåkka, erhielt seinen offiziellen Status als Schutzgebiet.
07. März Auf dem syrischen Nationalkongress wurde Faisal I. zum König von Syrien ausgerufen. Die Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien verhinderten jedoch das Streben der Araber nach Unabhängigkeit durch den Völkerbund. Das Völkerbundmandat für Syrien und Libanon wurde Frankreich zugesprochen. Nach einer Niederlage gegen französische Truppen begab sich König Faisal im Juli ins Exil.
09. März Erik Liebreich wurde ein deutsches Patent für ein Verfahren gewährt, das die elektrolytische Abscheidung von Chrom in metallischer Form ermöglichte. Dieses Verfahren bildete die Basis für das Verchromen mittels Chromelektrolyten.
12. März In den späten Abendstunden und während der darauffolgenden Nacht bewegten sich aufständische Offiziere der Reichswehr zusammen mit ihren Soldaten in Richtung Berlin. Die Operation stand unter der Leitung des entmachteten Generals Walther von Lüttwitz und markierte den Beginn des Kapp-Putsches.
13. März Wolfgang Kapp setzt die von Wahlen legitimierte Reichsregierung unter der Leitung von Gustav Bauer ab, erklärt die Nationalversammlung für aufgelöst und ernennt sich nach der militärischen Eroberung des Berliner Regierungsbereichs selbst zum Reichskanzler. Vier Tage später zerfällt der Kapp-Putsch.
14. März In Mittelschleswig, der zweiten Zone, sprachen sich bei einer Volksentscheidung 80 % der Abstimmungsberechtigten für die Zugehörigkeit zu Deutschland aus. Nachdem die Einwohner Nordschleswigs bereits in einer am 10. Februar 1920 durchgeführten Abstimmung der ersten Zone ihre Eingliederung in Dänemark gewählt hatten, kam es zur Teilung Schleswigs (dänisch: Sønderjylland) in einen nördlichen dänischen sowie einen südlichen deutschen Landesteil.
15. März Als Antwort auf den Kapp-Putsch kommt es im Deutschen Reich zum bis dahin umfangreichsten Generalstreik. Dem Aufruf unterschiedlicher Organisationen und politischer Parteien folgen 12 Millionen Menschen. Gleichzeitig manifestiert sich im westlichen Gebiet der Ruhraufstand.
17. März Der Kapp-Putsch gegen die Weimarer Republik scheitert in Berlin. Während die Anführer Wolfgang Kapp und Walther von Lüttwitz sich ins Ausland absetzen können, bleibt die an dem Putschversuch zentral beteilgte Brigade Ehrhardt unter der Befehlsgewalt von Reichswehrminister Gustav Noske als Sicherheitstruppe in Berlin stationiert.
19. März Der Versailler Vertrag sowie der geplante Beitritt der Vereinigten Staaten zum Völkerbund fanden im amerikanischen Kongress keine Zustimmung zur Ratifizierung.
21. März In der Schweiz findet eine erfolgreiche Abstimmung über eine Volksinitiative statt, die die Schließung von Casinos zum Ziel hat.
22. März Aufgrund des Kapp-Putsches war Gustav Noske, der als Reichswehrminister in der Regierung Bauer tätig war, zum Rücktritt gezwungen. Der Grund für seinen Rücktritt lag in den Vorwürfen, die gegen ihn erhoben wurden, wonach er die konterrevolutionäre Bewegung unterstützt haben soll.
25. März In der Nähe von Mechterstädt in Thüringen töten Verbindungsstudenten aus Marburg 15 Arbeiter, die sie zuvor festgenommen hatten, da diese sich dem Kapp-Putsch widersetzt haben sollen. Zu den Tätern gehören Bogislav von Selchow und Otmar von Verschuer. Diese werden noch im Verlauf desselben Jahres in einem Prozess wegen der Morde von Mechterstädt freigesprochen.
27. März Infolge des Kapp-Putsches war das Kabinett Bauer zum Rücktritt gezwungen. Die Nachfolge als Reichskanzler der Weimarer Republik übernahm Hermann Müller, der zuvor das Amt des Außenministers innehatte. Das Kabinett Müller I blieb jedoch nur bis zum 21. Juni 1920 in Funktion.
29. März Das Croydon Aerodrome wird in seiner Funktion als Hauptflughafen von London eröffnet.
01. Mai Im Zuge der Verwirklichung der „kleinthüringischen Lösung" verbinden sich die sieben thüringischen Territorien Sachsen-Altenburg, Sachsen-Gotha, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Weimar-Eisenach, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen sowie der Volksstaat Reuß zum Land Thüringen. Coburg hingegen, dessen Einwohner sich überwiegend gegen einen Anschluss entschieden haben, schließt sich zwei Monate später Bayern an.
15. Mai Die Verfassungsgebende Versammlung des 1918 gegründeten litauischen Staates kam zum ersten Mal in Kaunas zusammen, um die Wiederherstellung der litauischen Unabhängigkeit zu bestätigen. Gleichzeitig wurde die Provisorische Gesetzgebende Versammlung aufgelöst.
15. Mai Das Ballett Pulcinella von Igor Strawinsky erlebte an der Opéra de Paris seine Uraufführung, wobei Pablo Picasso für die Ausstattung mit Kostümen und Bühnenbild verantwortlich zeichnete.
16. Mai Papst Benedikt XV. spricht Jeanne d'Arc heilig.
22. Mai Zur Würdigung der baltischen protestantischen Priester, die durch bolschewistische Gewalt den Märtyrertod starben, erfolgt die Einweihung des Rigaer Märtyrersteins. Während der Jahre zwischen den beiden Weltkriegen entwickelt sich dieses Denkmal zu einer bedeutenden Gedenkstätte.
23. Mai In seiner Enzyklika Pacem, Dei munus pulcherrimum rückt Papst Benedikt XV. das Thema Frieden in den Fokus seiner Ausführungen. Nach dem Ersten Weltkrieg plädiert er für eine Wiederversöhnung zwischen den Kriegsgegnern. Gegenüber dem Gedanken eines Völkerbundes verhält er sich befürwortend.
28. Mai Am Theater an der Wien in Wien kam die Uraufführung von Franz Lehárs Operette Die blaue Mazur zur Aufführung.
04. Juni Der vierte der Pariser Vorortverträge zur Beendigung des Ersten Weltkriegs wird durch den Vertrag von Trianon zwischen Ungarn und den Alliierten unterzeichnet.
06. Juni Die erste ordentliche Reichstagswahl der Weimarer Republik fand 1920 statt. Dabei errang die SPD die meisten Stimmen, doch das Bündnis der drei Parteien, die die Republik trugen – bekannt als Weimarer Koalition – büßte ihre parlamentarische Mehrheit ein.
06. Juni Nach dem plötzlichen Tod von Ministerpräsident António Maria Baptista, der unmittelbar nach einer Kabinettsitzung einen Schlaganfall erlitt, übernahm José Ramos Preto die Funktion des portugiesischen Regierungschefs.
09. Juni Das Londoner Imperial War Museum nimmt seinen Betrieb auf und entwickelt sich sogleich zu einer beliebten Anlaufstelle für Besucher. Als eines der weltweit führenden Museen zu Kriegsthemen erfreut es sich großer Besucherzahlen.